„Ich bin ein kreatives, verrücktes Huhn!“

Wir befinden uns in einer beschaulichen Wohngegend in Paderborn-Neuenbeken. Nichts deutet darauf hin, dass hier eine Frau wohnt, die schon so viele Gewinnspiele gewonnen hat, dass man sie kaum noch zählen kann. Die Gewinnspiel-Leidenschaft ist der Grund dafür, warum ich Anne Meier heute besuche. Was für eine tolle, intelligente und vor Lebensfreude nur so sprudelnde Frau hinter diesem Hobby steckt, sollte ich in den nächsten Stunden erkennen.

 

Als die Wohnungstür aufging, blickte ich in blitzende Augen und ein fröhlich lächelndes Gesicht. Diese Frau weiß was sie will und wie sie es bekommt. Lange, dunkle, gewellte Haare, ein buntes Kleid, farblich passender Lippenstift und große Ohrringe. Die liebt sie, sollte ich später erfahren. Anne Meier erfüllt also erst mal so gar nicht das klischeehafte Bild, das ich von einer Frau im Kopf habe, die unermüdlich bei Gewinnspielen mitmacht. Aber schon in der Wohnung fällt auf: Diese Frau strotzt nur so vor Kreativität. Denn auf jedem freien Platz steht Deko. Aber nicht plump hingestellt, ohne darüber nachzudenken, sondern durchdacht und stimmig. „Ich liebe das eben so.“, sagt sie.

 

Ihre Gewinne hegt und pflegt sie

 

Wir quatschen erst mal eine Runde, trinken Kaffee aus der gewonnenen Kaffeemaschine, sitzen auf den (übrigens sehr bequemen) gewonnenen Stühlen, und betrachten die gewonnenen Lampen. Nicht zu vergessen die gewonnene Küchenmaschine. Aber das alles ist kein Thema. Hier sitzt keine Frau vor mir, die mit ihren Gewinnen angibt. Sie lebt schon immer in Neuenbeken und nicht in einer teuren Eigentumswohnung in Paderborn. Den Smart, den sie vor 14 Jahren gewonnen hat, fährt und pflegt sie immer noch.

Trotzdem gibt es immer wieder Menschen, die ihr die vielen Gewinne nicht gönnen. Befremdliches Verhalten und dumme Sprüche á la „Was willst du denn damit? Das steht doch sowieso nur in der Ecke.“ haben sie mal getroffen – doch das ist Vergangenheit. „Obwohl ich meine Gewinne nicht herausposaune, entsteht oft Missgunst. Mittlerweile stehe ich da drüber.“

 

Aber wie kam es zu dieser Leidenschaft bei Anne Meier? Schon als kleines Mädchen in der Schule hat sie immer „Wahnsinns-lange Aufsätze geschrieben“ und Hefte, Bücher und Mappen gestaltet und verziert. Mit der Zeit hatte sie das Kreative aus der Kindheit aber verloren. Sie lernte Krankenschwester – und spürte irgendwann: „Diese Seite muss wieder raus.“

 

Verzierte Postkarten gewinnen eher

 

Das war 1999. Und sie machte einfach bei einem Gewinnspiel mit: „Denn wenn du nicht mitmachst, kannst du auch nicht gewinnen.“ Obwohl auch Anne Meier früher dachte, dass doch sowieso immer nur die Anderen gewinnen. In einigen Fällen mag das stimmen, aber nicht bei Anne Meier. Sie gewann ihr erstes Gewinnspiel bei Radio Hochstift und auf einmal war der Knoten geplatzt. Sie machte weiter und die Erfolgserlebnisse sorgten dafür, dass sie nicht mal im Traum ans Aufhören dachte. Auf einmal kam der Gedanke: „Es kann klappen. Und das ist ein schönes Gefühl.“ Und Anne Meier erzählt von ihrer Leidenschaft, ohne Punkt und Komma, mit leuchtenden Augen und fast immer einem Lächeln im Gesicht. „Auf einmal siehst du überall Preisausschreiben liegen. Im Supermarkt, in Bäckereien, in Geschäften.“ Sie kaufte sich Bastelutensilien, Bänder, Schleifen, Sticker, Glitzer, und und und. Denn, das hatte sie sich schnell angelesen, Postkarten, die verziert sind, gewinnen eher.

 

Über eine monatelange Durststrecke bastelte und gestaltete sie einfach hinweg. Durchhaltevermögen und Ehrgeiz – das sind zwei Eigenschaften, die bei Anne Meier zum Erfolg geführt haben. Und wer jetzt denkt, ja so ein paar Postkarten, die kann ich auch noch ausfüllen, der ist schief gewickelt. Anne begann auch, an Kreativwettbewerben teilzunehmen. „Da gibt es alles Mögliche. Das schönste Urlaubsfoto einsenden, das schönste Sommerfoto, Kuchenrezepte ausdenken, ein Gericht kochen, immer schön in Szene gesetzt und gestaltet.“ Wenn Anne Meiers Kreativmaschine im Kopf beginnt zu rattern, dann vergehen drei Stunden im Handumdrehen und fühlen sich für sie wie zehn Minuten an. „Mittlerweile mache ich nur noch das mit, was mir Spaß macht.“, sagt Anne Meier. Viel wichtiger ist ihr, dass sie ihr Hobby ausleben kann, Zeit für sich hat, Zeit für ihre Fantasie und ihre Gedanken. „Die Aufgabe jedes Gewinnspiels reizt mich. Ich habe einfach Bock, was Besonderes zu schaffen. Und ich möchte auch immer besser werden. Es muss schon 100 Prozent gut sein. Und wenn die Idee doch nicht so gut ist, dann werf' ich alles in die Mülltonne und fange von vorne an.“ Für Anne Meier ist jede Teilnahme auch wieder so ein kleiner Nervenkitzel, denn man weiß ja nicht, was die Anderen einreichen. „Ich vertraue meinem Gespür. Das habe ich über Jahre aufgebaut.“

 

Viele Gewinne verschenkt sie

 

Ihre Familie steht voll und ganz hinter ihr und ihrer „kleinen Macke“. Ihr Mann unterstützt sie sogar, bringt die Sachen zur Post, holt Briefmarken, gibt Feedback zu ihren Ideen. „Mein Mann weiß, dass es mir gut tut und dass ich dadurch Energie bekomme.“ Stolz erzählt sie dann von ihren beiden Söhnen. Einer von ihnen nutzt das „Kreativitäts-Gen“ auch. Er nimmt ebenfalls an Wettbewerben und Gewinnspielen teil. Ihre Familie hat Anne immer eingebunden. Durch die Gewinnspiele konnte Sie ihren Kindern Dinge ermöglichen, die sie sonst nicht gehabt hätten. Wie zum Beispiel eine Begegnung mit dem großen Hasen Felix beim gewonnenen Kindergeburtstag zu Hause. Die Kinder waren selig und glücklich. Bei den Gewinnen geht es Anne Meier sowieso überhaupt nicht um sich. Der Prozess der Teilnahme, gestalten, malen, basteln oder Fotos machen – das ist ihre Leidenschaft. „Ich mach das nicht, um etwas abzugreifen. Es ist ein netter Nebeneffekt, wenn man wirklich etwas gewinnt.“ Und das nehme ich ihr voll und ganz ab. Die Schokoladentafeln, die sie mal für ein ganzes Jahr gewonnen hat, die hat sie alle verschenkt. Nicht nur an Familie und Freunde, sogar an Lieferanten, die ihr Gewinne vorbei brachten und Mitarbeiter im Supermarkt, in dem Sie die Tafeln abholte. „Ich hab' Bock anderen eine Freude zu machen. Das hat keinen Hintergedanken, das ist einfach meine Art.“

 

Dass das keine Selbstbeweihräucherung ist, merke ich daran, dass sie ohne zu zögern Tipps für erfolgreiche Gewinnspiel-Teilnahmen gibt. Dass mein gesamter Besuch erfüllt ist von dampfendem Kaffee, selbstgebackenen Plätzchen und belegten Brötchen. Das hat sie für mich vorbereitet. Um mir eine Freude zu machen. Anne hat sich weiterentwickelt. Sie ist Werbeträgerin, unter anderem für einen Gewinnspielratgeber, dort schreibt sie auch immer wieder Geschichten. Werbung würde sie gern noch mehr machen. „Ich bin 'ne Rampensau.“, gibt sie unumwunden zu.

 

Von der Leidenschaft zur Profession?

 

Mittlerweile hat sie in der Wohnung einen eigenen kleinen Raum, in dem sie ihr Deko-Material aufbewahrt. Diese kleine Höhle ist Anne pur: Sie ist ein absoluter Familienmensch. Überall hängen Fotos von ihren beiden Söhnen und ihrem Mann. Sie ist wie sie selber treffend sagt ein „kreatives, verrücktes Huhn“. So viele Bänder und Sticker auf einmal habe ich noch nie gesehen. Und sie ist absolut bescheiden. Der kleine Raum ist nicht vollgestopft mit Hightech oder hat den besten und neusten Schreibtischstuhl. Aber solche Dinge braucht Anne auch nicht.

 

Wen wundert es, dass ich am Ende mit einem Blumenstrauß und einem kunstvoll eingepackten Geschenk die Wohnung verlasse. Sie konnte mich nicht gehen lassen, ohne mir nicht eine Freude gemacht zu haben.

 

Autorin: Dania Stauvermann

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