Paderborner erobert mit seiner Band China

Thorsten Westermann hat geschafft, wovon viele Musiker träumen. Mit seiner Band „The Ignition“ ist der Paderborner erst kürzlich von der mittlerweile fünften China-Tour zurückgekehrt. Neun Konzerte, in zehn Tagen in mehreren Städten – darunter Shanghai und Peking. Dabei war auch das Forest Festival in Nanjjing, bei dem 15.000 enthusiastische Besucher der Band aus dem Münsterland zujubelten. In Deutschland sind „The Ignition“ überwiegend auf den Club- und Festivalbühnen es Landes zu Hause, in China dagegen eine große Nummer. „Es war ein Wiedersehen mit Freunden“, schwärmt Thorsten Westermann nach der Rückkehr. Mittlerweile werden er und seine Bandkollegen auch auf der Straße erkannt und angesprochen. „Das ist schon eine andere Welt“, ist sein begeistertes Fazit.

 

Für "The Ignition" ist die Musik in erster Linie Leidenschaft. Alle Musiker gehen einem Beruf nach, Thorsten Westermann arbeitet als promovierter Wirtschaftsingenieur am Fraunhofer- Institut in Paderborn. Einmal in der Woche fährt er rüber ins münsterländische Tönnishäuschen, wo sich die Band zum Proben trifft. Der Paderborner stößt kurz nach Gründung vor zwölf Jahren zur Band. Die Beigeisterung in Fernost über den Rock-Import aus Deutschland erklärt der Drummer sich damit, „dass wir dort Exoten sind, weil wir unsere eigene Musik machen und dabei authentisch sind.“ In China würden viele Bands nur ihren westlichen Vorbildern nacheifern. Davon scheinen sich „The Ignition“ mit ihren eigenen Songs und dem modernen Hard Rock im Reich der Mitte erfrischend abheben zu können.

Der Kontakt nach China kommt im Jahr 2011 mehr oder weniger zufällig zustande. Sänger Tim Jungmann lernt eine deutsche Barbesitzerin in Shanghai kennen, die „The Ignition“ zu einem Konzert in ihrem Club einlädt. Die Jungs kommen der Einladung nach und legen einen umjubelten Auftritt hin. Es ist der Beginn der erfolgreichen China-Beziehungen. „Wir sind im Jahr darauf wieder für zwei Wochen rüber geflogen und haben uns mehreren Besitzern von Rock-Clubs vorgestellt“, erzählt der Schlagzeuger. Der Plan geht auf: Mehrere Auftritte werden vereinbart, „The Ignition“ ziehen ein großes Publikum an, was sich bei vielen Konzertveranstaltern herumspricht. Ergebnis ist die nun fünfte absolvierte China-Tour. Thorsten Westermann schwärmt von der Gastfreundschaft der Chinesen: „Es sind megafreundliche Leute, die helfen, wo es geht.“ Mittlerweile können die vier Jungs sogar schon ein paar Brocken Chinesisch sprechen, erzählt Thorsten Westermann. Das hilft bei der Verständigung.

 

Touren werden selbst geplant, das Geld vorgestreckt

 

Die Stimmung bei den Auftritten haut die Band immer wieder aufs Neue um: „Das Publikum feiert jeden einzelnen Song. Das macht einfach nur Spaß“, schildert der Drummer seine Eindrücke. Die komplette Tour organisieren die Musiker selbstständig, was bei größeren Bands ein Management übernimmt. „Das Geld strecken wir vor und spielen es mit den Auftritten wieder ein“, gibt der Schlagzeuger einen Ablauf in die finanzielle Abwicklung. Weniger schön war, dass die Band diesmal zum ersten Mal Zensur in China erlebte. „Wir mussten Verträge unterschrieben und bestätigen, keine sexistischen oder systemkritischen Texte zu singen. Es wurde uns auch vorgeschrieben, welche Lieder wir spielen. Das ist dann schon komisch“, sagt Westermann nachdenklich. Die Band hielt sich an die Vorgaben, denn bei den Strafen ist die Volksrepublik im Falle eines Vergehens nicht zimperlich.

 

Begleitet wurde die Band diesmal von einem Kameramann des WDR. Und das hat einen guten Grund: Denn aus den Aufnahmen soll ein Kinofilm entstehen, der ab Frühjahr des kommenden Jahres über die Leinwände flimmern soll. Ebenfalls im nächsten Jahr wollen „The Ignition“ die Aufnahmen zu einem neuen – dem dann vierten – Album starten. Und auf China-Tour soll es im kommenden Jahr natürlich auch wieder gehen. Das Bandleben bleibt also aufregend. Gerade in seiner Heimatstadt Paderborn würde sich Thorsten Westermann künftig gerne mehr Auftritte wünschen. Eine Band, die in China gefeiert wird, wäre ohne Frage auch auf den Bühnen der Paderstadt ein Stimmungsgarant!

 

Autor: Björn Theis

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